
„Lieder aus dem Exil“ – ein Konzertabend mit Marlene Mild – Sopran und Falko Steinbach – Klavier
Im Rahmen des Internationalen Klavierfestival Lindlar vom 19.7. bis 31.7. wird es auch dieses Jahr wieder ein musikalisches highlight bei Himmel un Ääd in Schildgen geben.
Der ursprünglich aus Schildgen stammende und seit vielen Jahren in den USA tätige Musikprofessor Falko Steinbach, der das Festival seit 2009 musikalisch leitet, wird auch in diesem Jahr wieder ein herausragendes Programm präsentieren.
„Lieder aus dem Exil“ – den Eichendorf Liederzyklus von Schumann und die Hollywood Lieder von Brecht/Eisler. Also Themen um Emigration, innerlich und geographisch.
Programm
Liederkreis op.39 Robert Schumann / Joseph von Eichendorff
Pause
Hanns Eisler / Bertolt Brecht
Liedtexte Hollywood Liederbuch und ausgewählte Lieder
Marlene Mild – Sopran
Falko Steinbach – Klavier
Infos zu Marlene Mild und Falko Steinbach unten, ebenso einige Programmnotizen zum Liederabend von Falko Steinbach.
Die Eisler-Lieder hat Falko Steinbach vor langer Zeit auch schon einmal mit der Sängerin Marlene Mild auf einer vom WDR produzierten CD eingespielt.
Ort: Pfarrsaal Herz Jesu, Altenberger-Dom-Str. 140, 51467 Bergisch Gladbach – Schildgen.
Eintritt 23,- bei Online-Anmeldung, zahlbar an der AK (ohne Voranmeldung, sofern noch freie Plätze 28,- Euro, zahlbar an der AK).
Unten geht´s zur verbindlichen Online-Voranmeldung: Voranmeldungen haben Vorrang beim Einlass.
Marlene Mild
Die Sopranistin Marlene Mild studierte an der Musikhochschule Köln Gesang bei Ks.Prof. Reinhard Leisenheimer und Prof. Dietger Jacob. Sie ist Preisträgerin im Konzertfach des „Bundeswettbewerbs Gesang Berlin“ und Stipendiatin der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW. Konzerte mit Werken von u.a. Bach, Händel und Mozart führten sie durch Deutschland, in das europäische Ausland nach Frankreich, Spanien und in die Schweiz.
Es folgten feste Engagements an den Theatern Hagen, Osnabrück und dem Staatstheater Nürnberg. Hier stand sie mit Partien wie Königin der Nacht, Olympia, Melusine, Gretel und in vielen anderen Rollen auf der Opernbühne. Als freischaffende Sängerin im Opern- und Konzertfach erfüllte Marlene Mild Gastverträge an den Staatstheatern Nürnberg, Mainz, Wiesbaden, Kassel, dem Nationaltheater Mannheim, der Staatsoper Hannover und der Deutschen Oper am Rhein DOR, vorwiegend in der Rolle der Königin der Nacht.
Sie arbeitete mit Dirigenten wie Dante Anzolini, Peter Hirsch, Philippe Auguin, Sofi Jeannin u.a. Als Gast war sie bei den Züricher Festspielen, den Gluckfestspielen und sang in Paris die Kantate für Koloratursopran „Being Beauteous“ von Hans Werner Henze mit dem „Orchestre de Radio France Paris“ unter der Leitung von Sofi Jeannin. Mit dem „ensemble unitedberlin“ und dem Ensemble „die reihe“ unter der Leitung von Peter Hirsch gastierte Marlene Mild mit Werken von Luigi Dallapiccola und Bernd Alois Zimmermann im Konzerthaus Berlin, im Konzerthaus Wien und dem Beethovenfest Bonn. In Nürnberg ist die Sängerin durch ihre außergewöhnliche Interpretation der Titelpartie der „Melusine“ von Aribert Reimann bekannt.
Falko Steinbach
Professor Falko Steinbach ist seit 1999 Leiter des Bereichs “Piano performance” an der University of New Mexico in Albuquerque und der musikalische Leiter des Internationalen Klavierfestivals Lindlar.
Seine Wurzeln führen ihn bereits seit vielen Jahren regelmäßig ins Rheinland, wo er geboren und aufgewachsen ist und wo der überwiegende Teil seiner Familie lebt. Bis heute verbindet Falko Steinbach eine besondere Beziehung zum Rheinland, das er selbst als wichtigen Quell seiner musikalischen Fantasie und seines kompositorischen Werkes sieht.
Die Werke des Steinway-Künstlers Falko Steinbach erschienen als Studienprogramm im Verlag Edmund Bieler, Köln und weltweit bis heute auf 16 CD-Produktionen sowie verschiedenen Videos, Radio- und TV-Übertragungen.
Als international anerkannter Konzertpianist und Komponist ist er regelmäßig zu Gast bei den angesehensten Klavierfestivals in Amerika, Europa und Asien, erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien und fasziniert mit seinem typischen, hypnotisierenden Sound die Menschen in der ganzen Welt.
Programmnotizen zum Liederabend von Falko Steinbach
Robert Schumann – Eichendorff Liederkreis op 39
Hanns Eisler/Brecht – Hollywooder Liederbuch
Der Eichendorff Liederkreis op. 39 von Robert Schumann (1810 – 1856) ist einer der bedeutendsten Liederzyklen der deutschen Romantik. Er handelt von Naturmystik, Einsamkeit und Sehnsucht. Veröffentlicht 1842, erstmals vollständig aufgeführt wurde er am 21.Oktober 1862 im Kölner Gürzenichsaal.
Eichendorff selbst sagte, Schumanns Musik habe seinen “Liedern erst Leben gegeben”.
Der Zyklus liefert möglicherweise autobiographische Hinweise: der Vater Clara Wiecks wehrte sich gegen die geplante Ehe zwischen seiner Tochter und Robert Schumann. In diesem Zyklus könnte er der alte Ritter sein, der über das Rheintal wacht und die Braut die weinet Clara Schumann. Diese geläufige Lesart ist jedoch sehr fraglich, da Eichendorff wohl kaum Robert und Clara im Sinn hatte, als er seine Gedichte schrieb.
Immer jedoch ist in diesen Liedern das innere Exil zu spüren, symbolisiert durch die Nachtigal, der wir alle mit Vergnügen lauschen, ohne ihr inneres Leid herauszuhören, wie in den Gedichten häufig angedeutet.
Steinbach: „Als ich im letzten Jahr in Rio de Janeiro auf einer Konzertreise war, fragte mich der Hotelpförtner ganz unvermittelt: “You are from Germany?” Als ich bejahte sagte er: “Schumann: Dichterliebe und Eichendorfflieder”, so bekannt sind diese Lieder in der ganzen Welt. Ich wünschte, dies wäre auch hier so!“
Man kann die psychologischen Studien, die Eichendorff und Schumann in der Betrachtung der eigenen Seele lange nach der Aufklärung mit Naturallegorien verknüpfen als Vorläufer der Seelenstudien Siegmund Freuds (1856 – 1939) betrachten. Der Traum nimmt sowohl in Eichendorffs als auch in Heinrich Heines Lyrik einen wichtigen Stellenplatz ein, der in der Freud’schen Traumdeutung einen wichtigen Platz bei dessen Auslegungen erhält.
Handelt es sich bei diesem Schumann’schen Liedzyklus um ein eher inneres Exil, so ist dies bei Eisler’s Brecht Vertonungen des ebenfalls sehr bedeutenden “Hollywooder Liederbuchs” eine eher äußere Emigration, die sich weniger mit den Wirren der Seele als mehr mit den äußeren Verstrickungen der Politik und den Folgen für die flüchtenden Menschen vor den Auswirkungen des Krieges beschäftigt. Die Lieder sind überwiegend in Santa Monica in Kalifornien während Eisler’s und Brechts Exil komponiert und dokumentieren ihre Abscheu vor dem damaligen Geschehen in Europa, Unverständnis für die in Deutschland gebliebenen Opportunisten, Befremdlichkeit in einer als unerträglich oberflächlich empfundenen Kultur der USA und Sehnsucht nach der verloren gegangenen kulturellen Identität zum Ausdruck, vielleicht auch der Schumann’schen?
Berücksichtigt man die Tatsache, daß Putin einen Krieg angefangen hat nebst den Folgen für die Flüchtenden, sowie den Problemen in anderen Regionen dieser Welt, nebst dem gleichzeitigen gegenseitigen Unverständnis in Europa gegenüber der amerikanischen Kultur und umgekehrt der Reaktion Amerikas, so sind sie auf eine inzwischen ironisch verdrehte Weise wieder sehr aktuell!
Romantische Reste, Impressionismus, Expressionismus, freitonale Klänge und 12-Ton Techniken wechseln sich ab. Brecht vermutete bei Eisler eine “bescheidene Brucknergeste”, womit er sich wohl auf den berühmten Komponisten Anton Bruckner (1824 – 1896) und seine gigantische Symphonie im Gegensatz zu den Miniaturen der Eislerlieder in etwas ironischer Weise auslässt.
Falko Steinbach / Quelle Wikipedia
Fotos: Intern. Klavierfestival Lindlar 2026