Endlich wieder live – es war ein inspirierender Vortrags- und Gesprächsabend mit Thomas Frings

Thomas Frings – wie er glaubt, was er hofft und wie die Kirche überleben kann.
Nach langen Monaten endlich die erste Präsenz-Veranstaltung – wie schön. Die Andreaskirche war unter Beachtung der noch notwendigen Abstandsregeln fast ‚ausverkauft‘.
Sowohl der Referent als auch die Teilnehmer haben das fast vergessene Gefühl des direkten persönlichen Gegenübers, des persönlichen Gesprächs und Austausches, das keine noch so professionelle Online-Veranstaltung bieten kann, sehr genossen.

„Gott funktioniert nicht. Deshalb glaube ich an ihn“ – unter diesem provokanten Titel sprach Thomas Frings um sein Ringen mit Gott und seinen Glauben.

Einleitend beschreibt Frings die Umkehrung der religiösen Zugehörigkeit in Deutschland seit den 50er Jahren. Waren damals noch 95% der Deutschen (West) konfessionell katholisch oder evangelisch gebunden – und 5% ‚komisch‘ wie er rheinisch formuliert – so sind es heute nur noch ca. 50%. Anderen Religionsgemeinschaften sind 10% zugehörig, die größte Gruppe bilden die Muslime. Und 40% der hier lebenden Menschen sind konfessionslos.
Mussten sich damals die einen rechtfertigen, müssen es heute vielfach die konfessionell Gebundenen. An der Religion hat sich nichts geändert, wohl aber an unserem gesellschaftlichen Umfeld.

Auch wenn kirchliche Feste wie Taufe, Kommunion und Hochzeit noch von einer immer kleiner werdenden Schar ‚mitgenommen‘ werden, in über 80% der katholischen Haushalte wird der Glaube heute nicht mehr praktiziert. Eine anders ausgerichtete Kirche ist notwendig, ein anderer Zugang zum persönlichen Glauben.

Religion und Glaube sind für Frings nichts Rationales, nichts Erklärbares – für ihn sind es Gefühl, Emotion und Hoffnung. Glaube an Gott ist für ihn nicht Vernunft. Ebenso wie die Liebe sich nicht ‚vernünftig‘ erklären lässt.

Offen sprach er über sein eigenes Suchen und Ringen um Gott. Dabei kritisierte Frings auch falsche Vorstellungen und zu große Ängstlichkeit in der Institution „Kirche“. Vor allem aber denkt er über konfessionelle Grenzen hinaus. Es geht ihm um viel mehr als Strukturkritik, es geht ihm um das Fundament des Glaubens. Es geht ihm um den, die, das oder was, das als Gott bezeichnet wird.

Seinen ganz persönlichen Glauben macht Thomas Frings fest an drei Säulen:
– an der Gewissheit des Todes und der Hoffnung auf Auferstehung
– an der Macht der Liebe
– an der Hoffnung der Vergebung von Schuld und Sünde.

Offen sprach Frings auch über sein Gottesbild: „Bitte Gott um nichts, was du und die Menschen selbst tun können.“

Auch erzählte er eine spannende Geschichte, die seinen Blick auf den Glauben beschreibt: als er in Afrika in Lebensgefahr schwebte, weil sein Camp von Hyänen umzingelt wurde, betete er nicht zu Gott. Nicht etwa, weil er nicht an Gott glaubt, sondern weil er nicht an einen Gott glaubt, der so konkret in das Leben der Menschen eingreift. Frings versteht Gott als weiter, größer und umfassender.
Die große Krise der Kirche sieht er darin, dass die Gottbeziehung ihrer Glaubenden oft an falschen Vorstellungen wie dieser des „Automaten-Gottes“ krankt.

„Gott funktioniert nicht. Deshalb glaube ich an ihn“
Die Erkenntnis, Gott nicht um das Unmögliche zu bitten, sondern um Begleitung und Stärkung. Gott nicht als die Kraft anzubeten, die profane Wünsche erfüllt. Gott IST die Liebe.

Reich gefüllt mit Leben und Erfahrungen waren Frings Schilderungen.
Dabei ging es ihm immer darum, überholte Vorstellungen und falsche Bilder zu überwinden und dabei zu vermitteln, wie man Glauben seiner Meinung nach heute leben kann und wie Menschen wieder für das Evangelium begeistert werden können.

„Was für ein inspirierender Vortrag! Es war berührend dabei zu sein. Mit Fragen zu meinem Glauben und motiviert, mich näher mit den gehörten Gedanken zu befassen, habe ich die Veranstaltung verlassen und vor der Kirche diskutierende Teilnehmende getroffen. So ist Kirche lebendig!“ war das Fazit einer Besucherin.

Hier gibt´s ein kleines Video, in dem Thomas Frings einen ersten Einblick gibt in sein Buch „Gott funktioniert nicht. Deshalb glaube ich an ihn“.

Thomas Frings, geb. 1960, wurde 1987 zum Priester geweiht. Von 2009 an war er Pfarrer der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster, seit 2010 Mitglied und seit 2014 Moderator des diözesanen Priesterrats. Durch seine Amtsniederlegung im Frühjahr 2016 wurde er national bekannt, sein Buch „Aus, Amen, Ende?“ wurde ein Bestseller. Zwischenzeitlich wohnte er in einem Benediktinerkloster in den Niederlanden, jetzt lebt er in Köln. Aufgrund seines Buches wird er in ganz Deutschland als Redner und für Vorträge eingeladen. Thomas Frings ist Großneffe des Kölner Erzbischofs Kardinal Joseph Frings.

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