Aus der Stasi-Akte „Assessor“ – passend zum 30. Tag der Deutschen Einheit

Es war ein interessanter, informativer und kurzweiliger Abend. Gert Koshofer gab spannende Einblicke in seine Stasi-Akten und die Fakten dahinter.

Aufgrund des großen Interesses hatte Himmel un Ääd diesmal in das vollsetzte Bürgerzentrum nach Schildgen eingeladen; so konnten auch die notwendigen „Corona-Abstände“ und sonstigen Schutzmaßnahmen sichergestellt werden (Danke an die Schildgener Schützenbrüderschaft für deren Gastfreundschaft).

Gert Koshofer lebt seit fast 48 Jahren mit seiner Familie in Schildgen. Nach Jurastudium war er zunächst bei der Stadtverwaltung Mülheim (Ruhr) tätig und wechselte dann zur Agfa-Gevaert AG nach Leverkusen. Zwanzig Jahre war Koshofer Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Photographie mit Sitz in Köln. Er veröffentlichte mehrere Bücher über Fotografie, Kinofilm und Reisen durch die DDR und die Neuen Bundesländer sowie zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften.
Aufgrund seiner diversen Kontakte in die DDR stand auch er unter „Beobachtung“. „Informationen zu K. lassen den begründeten Verdacht zu, dass K. in die Stützpunkttätigkeit der AGFA direkt einbezogen ist.“ so aus dem MfS – Übersichtsbogen zur operativen Personenkontrolle. Spannend formuliert auch der Beobachtungsbericht vom 10. Mai 1978: „18:22 Uhr wurde … Beobachtung aufgenommen. Die zu beobachtende Person schaute flüchtig auf die wartenden Personen, verließ die Halle stürmischen Schrittes …“.

Hier einige Gäste-Stimmen:
„Was hat eigentlich die Stasi gemacht?“– Mit unserem 16-jährigen Sohn besuchten wir den Vortragsabend von Gert Koshofer, der aus seiner eigenen Stasiakte vorlas. Es war für uns skurril und unglaublich zu erfahren, wie Herr Koshofer bei seinen Besuchen in der DDR auf Schritt und Tritt bespitzelt wurde. Seltsame Decknamen wie „Assessor“ oder Chiffren erweckten den Eindruck, dass er Teil eines Krimis war. Für die Jugend heute schwer nachzuvollziehen, dass es genau so im geteilten Deutschland zuging und hinter harmlosen Besuchen Spionage gewittert wurde. Herr Koshofer hat uns mit seinen Schilderungen ein Stück Zeitgeschichte nahegebracht, wie es kein Buch vermocht hätte. Eindrücklich waren für uns auch die Gespräche, die sich anschließend mit anderen Zuhörern ergaben, wo von Erlebnissen im geteilten Deutschland berichtet wurde. Ein Zuhörer hatte eine in Russland hergestellte Minikamera mitgebracht, mit der sogar durchs Knopfloch heimlich fotografiert werden konnte. Es war ein kurzweiliger und lehrreicher Abend.“

„Die Veranstaltung war hervorragend organisiert und die Teilnehmer unterhielten sich in der Pause angeregt über die Fakten, über die Herr Koshofer berichtet hatte. Ich habe mich zwar schon seit langem mit der Stasi beschäftigt, aber nur aus technischer Sicht. So war es mir doch erstmalig möglich, die „Ergebnisse“ einer solchen operativen Personenkontrolle zu erfahren.
Die Hauptabteilung XVIII der Stasi war für die Sicherung der zentralen volkswirtschaftlichen Bereiche und die Wirtschaftsspionageabwehr zuständig. Sie hat Gert Koshofer überwacht, der als AGFA-Mann häufiger in der DDR war, z.B. zur Leipziger Messe, und sogar IMs in seiner Nähe platziert. Das Ergebnis der langjährigen Überwachung war gleich Null, sieht man von den angefallenen Überwachungskosten ab. Know-how Abfluss war nicht zu befürchten, da die DDR dem Westen einige Jahre hinterherhinkte.
Die Überwachungsprotokolle waren teilweise falsch und entbehrten mitunter nicht einer gewissen Komik.“

„Ein Kollege von Gert Koshofer hat mich vor fast 40 Jahren mit dem Sammeln von Kameras angesteckt. Ich sammelte aber nicht AGFA-Kameras, sondern Prakticas, weil ich mir so eine Kamera als Westberliner Student gekauft hatte. Eines Tages stieß ich auf ein Modell, das speziell für die Stasi hergestellt worden war und konzentrierte mein Sammeln nun auf Geheimdienstkameras und später auf Geheimdiensttechnik allgemein. Heute ist meine Sammlung im Spionagemuseum am Leipziger Platz in Berlin zu sehen. Wer sich für Spionagetechnik interessiert, kann mich gern kontaktieren.“

DANKE Gert Koshofer für viele tiefe und spannende Einblicke in eine fast aus dem öffentlichen Bewusstsein entschwundene Zeit und Welt – und das alles ist mal gerade 30 Jahre her.

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